Literatur

Muldenkipper - Dem Laster verfallen... (noch ohne Bilder)

Henry Smits-Bode

VORABSTAND NOCH OHNE BILDER!!!!

Den deutlichen Umsatzeinbußen durch das Ende der einst zahlreichen Slot-Racing-Center Ende der 60er-Jahre versuchten die Hersteller mit neuen Spielideen entgegenzuwirken. Als Erwachsenenhobby fiel der Miniaturrennsport seinerzeit der technischen Hochrüstung zum Opfer, im Heimbahnbereich standen die Zeichen dagegen weiterhin auf grün! Die Carrera-Transpo brachte neben dem sportlichen Wettbewerb auf der Piste nun auch realisische Baustellenfeeling ins traute Heim. Der Muldenkipper war dabei zweifellos der Bestseller im Schwerlast-Programm.

Das Vorbild aus dem Hause Mercedes-Benz prägte über viele Jahre das Bild auf unseren Straßen. Die im Jahre 1963 eingeführte LP-Serie mit ihren kubischen Fahrerhäusern wirkt bis heute zeitlos. Das Konzept, daß die bis dahin typischen Haubenfahrzeuge verdrängte, hat sich bis heute gehalten. Wirklich alt wirken auch die frühen Modelle dieser bereits vor 40 Jahren präsentierten Produktlinie nicht – ein Sachverhalt, der im PKW-Bereich undenkbar erscheint.

Carrera wählte für die Miniatur ein Vorbild der späten 60er mit langer Fahrerkabine. Auf den Türen findet sich bei allen Carrera-LKW die Bezeichnung "1623". Die Zahl 16 stand dabei beim Original für das zulässige Gesamtgewicht von 16 Tonnen, die 23 gab die Motorleistung wieder, in diesem Falle 230 PS.

Die Tatsache, daß der Muldenkipper aus der Transpo-Reihe das häufigste Modell darstellt,, hängt zweifellos mit dem Umstand zusammen, daß dieses Modell in der Ergänzungspackung für den Transpo-Einstieg mit der Artikelnummer 80100 angeboten wurde, in der sich neben dem Modell auch das benötigte Steuergerät nebst Anschlußstück fand. Mit diesem Set konnte jeder Besitzer einer Universal-Bahn leicht in diese neue System einsteigen. Auch die Komplettpackungen wurden – mit einer Ausnahme – mit dem Muldenkipper bestückt. Nur das teuerste Einstiegsset war mit dem Betonmischer ausgestattet, lag dann aber preislich auch gleich 30 Prozent über der größten Einheit mit dem Muldenkipper! Mit seiner Kippfunktion sowie Vor-und Rückwärtsfahrt stellte der Kipper eine echte Einstiegsdroge in die Brummiwelt dar, die Lust auf mehr machte.

Das Carrera-Modell gibt das Vorbild sehr gut wieder, die Proportionen der Kabine sind stimmig und die Details – natürlich gemessen an dem üblichen Niveau dieser Zeit – überzeugend. Der umlaufende weiße Streifen im Kontrast zur blauen Grundfarbe der Kabine fand sich auch an vielen Originalen im Maßstab 1:1 wieder, der separat eingesetzte Kühlergrill mit zugehöriger Chromblende sowie transparente Scheinwerferimitationen runden das gefällige Bild ab.

Unter Sammlern wird bei diesen Modellen in erster Linie zwischen der ursprünglichen Transpo Ausführung und der späteren Version mit Dachschaltern unterschieden. Die eigenständige Transpo-Serie wurde von 1970 bis 1975 unter der Artikelnummer 82505 angeboten. 1975 wurde die Transpo-Reihe nicht mehr unter eigenem Label fortgeführt sondern vollständig in das Universal-System integriert. Dadurch wurden das separate Anschlußstück und das Steuergerät überflüssig, jedoch ging damit auch die Fernbedienbarkeit verloren, was den LKW ein erhebliches Stück ihres Spielwertes raubte. Bis 1981 bot Carrera den Muldenkipper unter der Artikelnummer 40512 im Universal-System an.

Im Detail lassen sich weitere Feinheiten unterscheiden. Die erste Ausführung ist mit zwei Stromabnehmern oder aber mit nur einem Kontakt im Frontbereich bekannt. Bei letzgenannter Ausführung befindet sich im Heckbereich lediglich ein Führungsstift und der hintere der beiden Motoren für den Fahrbetrieb liegt offen. Ästhetisch war diese Version zweifellos ein Mißgriff. Es drängt sich hier regelrecht der Eindruck auf, daß an dieser Stelle ein Teil fehlt. Diese "Sparversion" ist mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit die erste Version dieses Modells. Die einfachere Ausführung ist heute deutlich seltener zu finden, als das optisch gelungenere "Normalmodell": Während erstgenannte Typen in sehr gutem und vollständigen Zustand in Seltenheitskategorie 5 (von 1 = sehr häufig bis 10 = extrem selten) eingeordnet werden können gehören die letzteren bei SK 3 zu den recht einfach zu zu findenden Modellen unter den Carrera-LKW. Verhältnismäßig schwer wird die Suche dagegen, wenn es unbedingt ein neues und originalverpacktes Modell sein soll. Schon die Schachteln allein sind in makellosem Zustand recht gesucht und repräsentieren schon für sich allein einen nicht unerheblichen Wert. Wer es dann ganz genau nimmt, kann hier auch noch Boxen mit verschiedener Bedruckung unterscheiden, was sowohl für die roten Transpo- als auch für die späteren blauen Universal-Kartons gilt, die es jeweils in verschiedenen Ausführungen gibt. Die Universal-Variante ist nur mit Front- und Heckstromabnehmer bekannt, die in der Seltenheit zwischen den beiden erstgenannten Typen in der SK 4 einzuordnen ist.

Gerade bei den eher häufigeren Modellen führen schon geringe Zustandsabstriche am Sammlermarkt zu starken Preisabschlägen. Schon Laien wahrscheinlich unerheblich erscheinende Fehler, wie etwa leichte Chromabplatzer am Kühlergrill oder den Spiegeln führen zu einer Minderung. Originale Spiegel sind bei gebrauchten Modellen nur selten noch makellos vorhanden. Einwandfreier Glanz an diesen Parts bei sonst deutlichen Gebrauchsspuren weist in der Regel auf Replikate hin, was – wie auch die oft fehlenden oder durch Nachfertigungen ersetzten Scheinwerfer – mit klaren Preisabschlägen zu bewerten ist. Sehr oft fehlt auch die eingesteckte Ladeklappe der Kippmulde und an Stelle der Dachluke klafft häufig nur ein Loch. Alle bis hierhin genannten Teile sind, wie auch die meist gebrochenen Rückleuchten, klar wertrelevant, lassen sich aber häufig noch vergleichsweise einfach mit Ersatzteilen aus anderen Fahrzeugen original ergänzen, so daß sich auch aus solchen meist günstig zu erwerbenden Exemplaren noch sammlerkompatible Stücke machen lassen.

Häufigster – und zugleich aus Sicht des Sammlers irreparabler – Mangel ist aber die typische Beschädigung in Form eines Risses oder gar Ausbruchs oberhalb der Stoßstange bzw. unterhalb des Kühlergrills. Dieser Bereich ist bei einem anstehenden Kauf genauestens unter die Lupe zu nehmen, denn derartige Fehler mindern den Wert sehr drastisch! Auch die Scheibe ist im Frontbereich an den A-Säulen der Fahrerkabine sehr häufig mit vielen sehr feinen Rissen durchzogen, was auf die enge Einpassung zurückzuführen ist – ebenfalls ein Mangel, der den Sammlerwert nennenswert herabsetzt.. Mechanisch sind diese Modelle hingegen sehr robust, daß häufig zu hörende Kreischen der Motoren ist mit einem Tröpchen Öl in die Buchsen der Motorwellen schnell beseitigt.

Mit dem Muldenkipper ist bis heute ein vergleichsweise günstiger Einstieg in die Carrera-LKW-Welt möglich aber Vorsicht!: Wer den Lastern des Carrera-Systems einmal zu nahe gekommen ist, verfällt leicht ihrem besonderen Charme, was dann mit den anderen Modellen dieser Produktlinie ein sehr teures Laster werden kann!

bilduntertitel!!!!!!!! 1 (BAUSTELLE): Im harten Arbeitseinsatz wurden viele Carrera-Muldenkipper verschlissen. Hier zu sehende Spielspuren, wie mangelhafter Chrom, führen bereits zu klaren Preisabschlägen

2 (in Schachtel) (diesen Text in Bildhintergrund platzieren?!?): oben die Transpo-Version in der Einschleifer-Ausführung (erkennbar an dem offenliegenden Motor), unten die spätere Variante aus dem Universal-System. Die frühen Schachteln des Transpo-Systems zeigen den Kiper in dieser einfachen Version, was darauf schließen läßt, daß es sich hierbei um die erste Bauart handelt.



Copyright 2003 Henry Smits-Bode

UPDATE: -

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