Bunte Mischung |
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Die frühen KatalogeHenry Smits-Bode
Konzentriert sich die Leidenschaft der Carrera-Universal-Sammler in der Anfangsphase ihrer "Leidensgeschichte" meist auf die Fahrzeuge, dehnt sich in vielen Fällen allmählich das Interesse auf alles aus, was in irgendeiner Weise einen Bezug zu dem Sammelgebiet aufweist. Hier bieten sich natürlich zuerst die jährlich von der Firma Neuhierl herausgegebenen Kataloge und Prospekte an, dokumentieren sie doch am besten die Entwicklung des Rennbahnprogramms des Fürther Spielwarenherstellers. Insbesondere die frühen Kataloge aus der Anfangsphase 1963 bis 1966, als der Zusatz "Universal" noch nicht Bestandteil der Produktbezeichnung war, bieten interessante Einblicke in die Kindheitstage des später erfolgreichsten Rennbahnsystems auf dem deutschen Markt. Wer den sammlertypischen Anspruch auf
Vollständigkeit erfüllen will, muß sich aber auf manch harte Nuß gefaßt machen. Der
erste Katalog von 1963 ist wirklich kaum zu finden und dürfte selbst einigen
langjährigen Sammlern unbekannt sein. Dem Autor sind nicht einmal eine Handvoll
vollständig erhaltener Exemplare bekannt. Das Frontcover erinnert durch seine
schwarz-gelbe Gestaltung an die frühen sehr schön illustrierten Grundpackungen. Auch
inhaltlich hält dieses innen nur in schwarz/weiß gedruckte Blatt auf seinen insgesamt 16
Seiten einige Überraschungen bereit. Auch der 1964er Katalog gehört zu den schwer zu findenden Werbematerialien, auch wenn ihn deutlich mehr Sammler ihr Eigen nennen können. Inhaltlich ist dieser vom ersten Exemplar nicht zu unterscheiden, es wird exakt dasselbe Produktprogramm aufgeführt. Lediglich das Frontcover wurde neu gestaltet und zeigt zwei rosafarben unterlegte Zigarren. Das Motiv gleicht dem der später vorgestellten Schallplatte (siehe COL Nr. 4/97). Erst 1965 -jetzt mit zusätzlich roter Druckfarbe und 24 Seiten- wurde auch der Inhalt überarbeitet. So wurden die oben beschriebenen Bahnstücke jetzt ohne die integrierte Warnlampe offeriert. In dieser Form sind diese Schienen auch definitiv vertrieben worden, funktionsfähige Exemplare sind aber wirklich rar. Schade eigentlich, denn vom Spielwert übertreffen sie die verbreiteten Standardbahnstücke mit Überhol- bzw. Abzweigfunktion sicherlich bei weitem. Als Fahrzeugneuheit erschien nur ein Auto, der Porsche 904.
Alle bisher genannten Kataloge zeigen auf der Rückseite dasselbe Bild einer komplett ausgestatteten Carrera-Anlage (siehe oben). Ein hier gleich zweimal abgebildetes Modell bereitet bis heute den Sammlern Kopfzerbrechen: Ein knallgelber Ferrari Tipo. Nach Wissen des Autors ist bislang kein solches Modell aufgetaucht. Das Gerücht, es handele sich hier um ein Produkt der Billigmarke Grand Prix, muß wohl in das Reich der Fabel verwiesen werden, denn die Machart weicht stark von diesem Fahrzeug ab. Es muß daher angenommen werden, daß auch diese Farbe zumindest als Muster für dieses Fahrzeug Verwendung fand. Carrera Universal zu sammeln ist eben eine "never ending story". Immer wieder tauchen irgendwo bislang unbekannte Varianten auf. Aber gerade dieser Umstand ist es, der das Sammeln auch für weit fortgeschrittene Sammler interessant bleiben läßt. Der letzte Katalog aus der Carrera System Ära stammt aus dem Jahre 1966. Erstmals wurden dem Kunden die großen Radien der Kurven 3 und 4 angeboten und die Grundpackungen wurden auf das neue Design umgestellt. Die aus heutiger Sicht spektakulärsten Neuheitenankündigungen finden sich auf den Seiten 22 und 23: Mit der Artikelnummer 50760 wird eine Boxenausfahrt und mit der Nummer 50770 ein Le Mans Start vorgestellt.
Die Explosionszeichnung der Boxenausfahrt zeigt, wie sich dieses Bahnstötigt, um die Rennstrecke nach rechts oder links zum Tankstop verlassen zu können. Ähnlich aufwendig, wenn auch "nur" aus 13 Teilen bestehend, war der angekündigte Le Mans Start. Dazu wurde auf Seite 24 noch eine 12-teilige Wendeschleife gezeigt. Alle drei genannten Neuheiten gingen wahrscheinlich nie in Serie. Im Falle der Wendeschleife ist der Grund wohl am ehesten in dem fehlenden Spielwert zu suchen. Die beiden anderen Programmergänzungen hingegen dürften dem hohen Preis zum Opfer gefallen sein. 40,-DM sollte die Boxenausfahrt, 30,-DM der Le Mans Start kosten. Zum Vergleich: Vier Standardgeraden gingen für 9,-DM über den Ladentisch, die Zigarren konnten für 14,-DM und die Sportwagen für 25,-DM erworben werden. Von letzteren zeigt der `66er Katalog -der übrigens mit und ohne eingedruckte Verbraucherpreise den Fachhändlern angeboten wurde- zwei Neuerscheinungen: Den Jaguar Typ E und den Porsche Carrera 6 in der Variante mit separaten Seitenteilen. Wer sich für die frühen Kataloge interessiert, wird schnell feststellen, daß das Preisgefüge hier längst nicht so gefestigt ist, wie bei den Fahrzeugen oder auch den späteren großformatigen Farbkatalogen. Auch in Sammlerkreisen sind hier Preisdifferenzen von über 100% keine Seltenheit. Den 65er und den 66er kann man häufig selbst auf Sammlerbörsen noch zu erträglichen Preisen erstehen, während die ersten beiden Kataloge nur äußerst selten zum Kauf angeboten werden. Wer hier seine Schmerzgrenze zu niedrig ansetzt, könnte es später bereuen, nicht zugegriffen zu haben.
Copyright 1998 Henry Smits-Bode
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