Vier gewinnt |
|||||||
Honda CB 750-MotorradHenry Smits-Bode
1968 revolutionierte Honda die Motorradwelt. Mit der Präsentation der Honda CB 750 auf der Tokioter Motor Show wurde eine neue Ära des Motorradbaus eingeläutet: Die erste Serienmaschine mit Vierzylinder-Motor war geboren! Was heute zum Standardprogramm auf unseren Straßen gehört, war damals keineswegs unumstritten. 67 PS leistete dieses Kraftwerk. Das reichte für eine Spitzengeschwindigkeit von 195 km/h. Viele zeitgenössische Kritiker sahen darin einen klassischen Fall von Übermotorisierung. Dabei war das erst der Anfang: Heute sind Serienmotorräder mit 140 und mehr PS keine Seltenheit. Zudem bezweifelten manche Experten, ob die neue Technik beherrschbar und zuverlässig sein würde. Aber gerade durch Ihre Standfestigkeit erwarb sich das erste Big-Bike der Welt den Ruf, unkaputtbar zu sein. Die Zeitschrift Das Motorrad schrieb im August 1973 nach einem 20.000km Dauertest: Wir können danach heute sagen, daß die Honda CB 750 eine der zuverlässigsten Maschinen ist, die es im Motorradbau jemals gegeben hat. Das überzeugte auch die letzten Nörgler, für die ein motorisiertes Zweirad entweder den klassischen englischen Twin oder den bayrischen Boxer im Rahmen tragen mußte. Noch heute stellt die 750er hinsichtlich ihrer Anspruchslosigkeit die meisten modernen Motorräder in den Schatten. 100.000 km und mehr, ohne auch nur einmal den Motor zu öffnen, sind mit der 750 Four eher die Regel als die Ausnahme!
Ihr Status, daß erste Serienmäßige Big-Bike zu sein, ließ die Honda CB 750 Four schnell zur Legende reifen. Mit ihr kam frischer Wind in den Ende der 60er scheintoten Motorradsektor und sie legte den Grundstein für die japanische Übermacht auf dem weltweiten Zweiradmarkt. Bis 1976 wurde die große Honda in ihrer klassischen Form produziert. Ab 1977 kamen optisch stark überarbeitete Modelle in den Handel, die jedoch gemessen an ihren Vorgängern deutlich plumper wirkten. 1978 war nach zehnjähriger Bauzeit endgültig Schluß. Längst hatten die Kawasaki-Vierzylinder mit zwei Nockenwellen das Zepter übernommen, so daß für die CB 750 kein Platz mehr im Honda Programm war.
Die Motorräder liefen in identischer Größe in den Modellreihen 1:24 und 1:32, was sie besonders bei der Uni neben den Autos wie ein Fremdkörper wirken läßt. Der tatsächliche Maßstab liegt aber in etwa bei 1:18. Ob es eine gute Idee war, ein Motorrad mit Stützrädern auf die Schlitzpiste zu stellen? Wohl eher nicht! Es sieht schon sehr unbeholfen aus, wenn sich die Maschine in senkrechter Position durch die Kurve 0 quält. Einen witzigen Effekt erzielte Carrera durch die Form der Aufhängung des eigentlichen Motorrades in den Hilfsrahmen mit den Antriebsrädern: Bei Vollgas hebt sich das Vorderrad von der Fahrbahn ab! Mit diesem Kavalierstart hätte jeder vor der Eisdiele eine gute Figur gemacht. Neben dem Eis wären sicher auch die Mädels reihenweise dahingeschmolzen. Besonders schön ist die Carrera-Interpretation der Honda eigentlich nicht. Das liegt in erster Linie an dem billig wirkenden blauen Kunststoff, der für Rahmen, Schutzbleche usw. Anwendung fand. Etwas Lack und Chrom hätten hier zu einem wesentlich besseren Ergebnis geführt. Die Fürther Mannschaft ließ es sich auch bei diesem Fahrzeug mal wieder nicht nehmen, im Laufe der Produktionszeit kleine Veränderungen vorzunehmen. Drei Ausführungen sind zu differenzieren, die sich in erster Linie durch die Form der Fahrerfigur unterscheiden.
Bei beiden letztgenannten Ausführungen ist die Seltenheitskategorie unter Vorbehalt zu verstehen. Das hat seinen Grund darin, daß viele Sammler bislang nur von einer halbaufrechten Variante Kenntnis hatten. War also eines der beiden Modelle vorhanden, war dieser Punkt abgehakt. Das es zwischen innerhalb dieser Variante wiederum bauliche Abweichungen gibt, ist erst vor einiger Zeit aufgefallen. Es wird sich also erst in der nächsten Zeit zeigen, wie selten diese Versionen tatsächlich sind. Schwachpunkte der Honda sind die Verkleidung, die hintere Leuchteneinheit und vor allem der aus Metallguß bestehende Lenker mit Brems- und Kupplungshebel. Sind diese Teile in Ordnung kann man mit einem Kauf eigentlich wenig verkehrt machen. Von diesem Modell werden auch heute noch relativ(!) viele neue Fahrzeuge angeboten, da sich das Zweirad als regelrechter Ladenhüter erwies und nach Konkurs der Firma noch in vielen Geschäften Mitte der achtziger Jahre zum Ausverkaufpreis verramscht wurde.. Da das Bike aber einen eher bescheidenen Spielwert bot, sind auch bespielte Motorräder oft gut in Schuß. Für den Preis spielt aber die Verpackung bei den Motorrädern eine wesentlich größere Rolle, als bei den Autos. Zudem sind unverpackte Modelle relativ unbeliebt und bieten daher i.d.R. deutlichen Verhandlungsspielraum nach unten. Erwähnt werden sollte noch, daß das Inlett der Verpackung in gelb und -wesentlich seltener- auch in blau erhältlich ist. Auch wenn Carreras Honda nicht die ganze Schönheit des Originals wiedergeben kann, stellt sie nicht zuletzt auch wegen ihrer kuriosen Stützradkonstruktion sicherlich eine Bereicherung für jede Sammlung dar. Noch ist sie mit wenig Aufwand zu bekommen.
Copyright 1998 Henry Smits-Bode UPDATE: ??? |
|||||||