Die
letzten Neuheiten der Carrera Universal:
Ferrari 312 T4 und Renault RS10
Henry Smits-Bode

In der gerade abgelaufenen Formel
1 Saison ging Ferrari wieder einmal leer aus. 18 Jahre nach dem letzten Fahrertitel
konnten auch die hochdotierten Dienste des zweimaligen Weltmeisters Michael Schumacher die
Durststrecke nicht beenden. Den Titel holte sich schließlich der Kanadier Jacques
Villeneuve im Williams-Renault. Bereits Ende der siebziger Jahre standen sich Ferrari und
Renault auf der Piste gegenüber. Die Favoritenrollen waren damals jedoch gänzlich anders
verteilt.
Gilt heute nach wie vor der
Williams-Renault als das beste Auto im Feld, so war in der zweiten Hälfte der Siebziger
der Ferrari das Maß aller Dinge. Drei Fahrerweltmeisterschaften und vier
Konstrukteurstitel gingen in den Jahren 1975 bis 1979 auf das Konto der Italiener.
Renault, damals mit komplett eigenem Werksteam, konnte trotz vollmundiger Ankündigungen
und einem Riesenbudget nie ganz nach vorne fahren. Nur 13 Siege konnten die Franzosen in
der Zeit ihres Formel 1 Engagements von 1977 bis 1985 verbuchen.
Carrera, damals stets um Aktualisierung
des bestehenden Modellprogramms bemüht, präsentierte die beiden Konkurrenten im Katalog
1980/81 schlicht unter der Bezeichnung "Ferrari Formel 1" (Best.-Nr. 40411) und
"Renault Formel 1" (Best.-Nr. 40412). Es sollten mit dem Truck die letzten
tatsächlich realisierten Neuheiten des Rennbahnsystems Universal bleiben. Die Vorbilder
der zwei Boliden sind in den Fahrzeugen der Saison 1979 zu finden. Mit eben diesem
Ferrari, die vollständige Modellbezeichnung lautet 312 T4, konnte der Südafrikaner Jody
Scheckter den letzten Titel für die Scuderia einfahren. Zweiter der Wertung wurde das
begnadete Talent Gilles Viilleneuve, Vater des derzeitigen Champions. Leider kam der von
Enzo Ferrari nahezu vergötterte Gilles 1982 im Training zum Grand Prix von Belgien
ums Leben. In Sammlerkreisen wird das Carrera Modell häufig fälschlicherweise als T3
bezeichnet. Dieses 78er Fahrzeug unterscheidet sich aber deutlich von seinem Nachfolger,
z.B. durch die fehlenden steil ansteigenden "Flügel" vor den Hinterrädern. Das
T steht fär das quer ("traversale") eingebaute Getriebe und die 4 für die
vierte Ausbaustufe der 1975 mit dem 312 T gestarteten Serie. Größte Stärke des T4 war
seine extrem hohe Zuverlässigkeit.
Von solchen Qualitäten konnten die beiden
französischen Renault-Piloten Rene Arnoux und Jean-Pierre Jabouille nur träumen.
Immerhin gelang Jabouille im dritten Formel 1 Jahr des Teams der erste Sieg für seinen
Rennstall und das beim Heimspiel in Dijon. Mehr hat der 79er Jahrgang aber auch nicht zur
Historie des Automobilrennsports beigetragen. Auch der Renault ist unter falschem Namen in
zahlreiche Suchlisten der Sammler eingezogen, denn um den RE 30 Turbo kann es sich bei dem
Modell kaum handeln - der erschien nämlich erst 1984. Korrekt lautet die Bezeichnung des
Renault RS 10.
Beide Uni-Fahrzeuge waren von 1980 bis zur
konkursbedingten Produktionseinstellung Anfang 1985 im Programm. Aber auch hier wurden
-wie so häufig bei Carrera- im Laufe der Zeit immer wieder kleine Detailänderungen
vorgenommen, so daß heute folgende Varianten unterschieden werden können.
Ferrari
312 T4
Alle Typen sind natürlich in dem für Ferrari charakteristischen rot
gehalten. Allerdings sind hier leichte Unterschiede in der Farbintensität zu beobachten.
Einige Produktionsserien haben eine etwas hellere Farbgebung. Ob es sich als Sammler
lohnt, diese geringen Nuancen zu unterscheiden, muß wohl jeder für sich selbst
entscheiden. Ähnlich verhält es sich mit den Felgenvarianten. Als
"Grundausstattung" wurden goldfarbenen Felgen verwendet, gegen Ende der
Produktion hat Carrera aber offenbar auf Teile zurückgegriffen, die gerade verfügbar
waren, so daß auch silberfarbene und an der Hinterachse schmale Felgen zum Einsatz kamen,
die deutlich unterdimensioniert wirken. Seitens der Karosserie sind lediglich die
verchromten bzw. schwarzen Auspuffrohre zu unterscheiden, wobei die schwarze Variante
etwas seltener ist. Insgesamt können die Ferrari F1 auf der Skala von 1(=häufig) bis 10
(=extrem selten) am oberen Ende der Seltenheitskategorie (SK) 6 eingeordnet werden. Gute
Fahrzeuge sind somit zwar nicht als absolute Raritäten anzusehen, andererseits aber sehr
beliebt. Wird einem auf einer Börse ein solches Fahrzeug angeboten, sollte man also
schnell zugreifen. Wer lange überlegt geht meistens leer aus.

Renault RS10 in
"zitronengelb" (oben links)
Dieses Modell ist in zwei Karosserievarianten bekannt, die sich in den
verschieden Lufteinlaßstreben hinter der Vorderachse unterscheiden, die einmal gerade und
einmal zum Fahrer hin schräg ausgeführt sind (siehe Bild oben: der dunkle Renault hat
ebenfalls schräge Streben). Zusätzlich sind auf der letztgenannten Version seitlich
lediglich Startnummern ohne den Aral-/Carrera-Schriftzug angebracht und es wurden i.d.R.
an Vorder- und Hinterachse schmale silberfarbene Felgen mit fünf Speichen verwendet.
Abweichungen sind bei Felgenvarianten natürlich nie auszuschließen, denn eine Achse
auszutauschen ist nun wirklich kein Problem. Dieses Unterscheidungsmerkmal sollte daher
nie überbewertet werden. Der hellgelbe Renault kann ebenfalls in die SK 6 eingeordnet
werden, die seltenere Ausführung mit der schrägen Strebe in die SK 7. Das im Katalog
1980/81 abgebildete Fahrzeug mit weiß lackiertem Seitenteil dürfte ein Handmuster sein,
dessen Verbleib bislang unklar ist. Was den Kauf eines guten Renault Formel 1 angeht, kann
auch hier nur angeraten werden, bei einer sich bietenden Gelegenheit nicht lange zu
zögern.
Renault RS 10 in orange/gelb (oben
rechts)
Auf diese Gelegenheit wartet man bei dieser Farbvariante leider meist vergeblich.
Felgen- und Karosserieausführung entsprechen dem oben beschriebenen Modell mit schrägem
Lufteinlaß. In diesem "postkastengelb" zählt das Auto aber zu den wirklich
seltenen Universal-Fahrzeugen. Selbst schlechte Fahrzeuge sind kaum zu bekommen, weshalb
hier das obere Ende der SK 8 angemessen erscheint.
Manchen
wird vielleicht noch interessieren, daß späte Modelle in einer Verpackung mit einem
Pappeinsatz statt mit dem bekannten Styroporeinschub ausgeliefert wurden. Hier finden sich
auf den Stirnseiten der Schachtel einfache weiße, mit Nadeldrucker beschriftete
Klebeetiketten, die die blau-roten Kleber ersetzten.
Da sowohl bei Ferrari als auch Renault
häufig die vorderen Spoiler brechen, ist bei einem Kauf unbedingt zu prüfen, ob diese
Teile eventuell geklebt wurden, denn diese Beschädigung rechtfertigt einen Preisabschlag
von ca. 50% gegenüber einem Top-Fahrzeug. Daneben sollte gecheckt werden, ob es sich
Tatsächlich um ein Uni-Modell und nicht etwa um einen 132 Servo Umbau handelt. Ein Blick
auf den vorderen Befestigungszapfen genügt i.d.R: Dieser muß bei einem Servo-Auto um ca.
zwei cm nach hinten versetzt werden, was immer Klebe- und/oder Trennspuren hinterläßt.
Ein letzter typischer Mangel betrifft das Chassis. Ende der 80er Jahre sind vor allem von
dem Ferrari einige neue Karosserien aufgetaucht, denen zur Vervollständigung das Chassis
fehlte. Da das Original nicht ganz einfach zu bekommen ist haben manche Bastler andere
Fahrgestelle unter die Karosse gewürgt, umgebaute Golf-Chassis z.B. oder um einen
selbstgebastelten Seitenbügel ergänzte Formel 1 Chassis älterer Serien. Wer diese
Punkte beachtet, kann eigentlich nicht mehr viel falsch machen, wenn er sich zum Kauf
entschließt.
Copyright 1997 Henry Smits-Bode
UPDATE: Der hellgelbe
Renault ist wahrscheinlich auch in der Version mit schrägen Streben mit der
Werbebeklebung vertrieben worden. Außerdem ist der dunkle RS10 auch mit der
"normalen" Felgenbestückung bekannt. |